Die Iran-Frage ist keine Frage der Sympathie für sein politisches System und kein Gegenstand ideologischer Debatten. Für Armenien ist es eine Frage des strategischen Überlebens. Die Wahrung der territorialen Integrität und Souveränität des Iran steht in direktem Zusammenhang mit der Aufrechterhaltung eines minimalen geopolitischen Gleichgewichts in der Region.

Die Iran-Krise hat längst die inneren Grenzen überschritten und ist Teil geopolitischer Prozesse geworden, bemerkt der Kolumnist von Sputnik Armenien, der die Ereignisse im Nachbarland analysiert.

Die Proteste im Iran sind nicht nur ein massiver Ausdruck der zivilen Haltung der Iraner aufgrund der Verschlechterung der sozioökonomischen Lage, sondern die Unzufriedenheit der einfachen Bürger ist zum Hintergrund für tiefgreifendere Prozesse geworden.

In Wirklichkeit geht es um den Versuch, einen der wichtigsten Staaten des eurasischen Raums zu zerstören, dessen Existenz jahrzehntelang für ein strategisches Gleichgewicht in der Region des Südkaukasus und des Nahen Ostens gesorgt hat.

Für Armenien hat eine mögliche Schwächung oder der Zerfall des Iran existenzielle Folgen. Und das ist keineswegs übertrieben.

Iran als geopolitischer „Anker” bewahrt die Region faktisch vor tiefgreifenden Erschütterungen. Die territoriale Integrität und Souveränität Irans blockieren die Umsetzung einer ganzen Reihe von Projekten, die darauf abzielen, den Nahen Osten und den Südkaukasus im Interesse der Türkei, Aserbaidschans und der USA neu zu formatieren.

Die Kontrolle über den Iran bedeutet:

  • Zugang zu den südlichen Grenzen Russlands und zur Kaspischen Region;
  • direkter Druck auf den Kaukasus und Zentralasien;
  • Kontrolle über wichtige Transport- und Energiekorridore zwischen Ost und West sowie Nord und Süd;
  • strategische Umzingelung Chinas aus westlicher Richtung.

Genau aus diesem Grund wird der Iran als eines der letzten systemischen Hindernisse auf dem Weg zu einer totalen geopolitischen Neuordnung Eurasiens angesehen.

Im Falle einer Destabilisierung oder eines Zerfalls des Iran würde die Region mit einem Dominoeffekt konfrontiert sein. Die Bildung von Quasi-Staaten auf seinem Territorium wird unweigerlich zu folgenden Entwicklungen führen:

  • Stärkung des türkisch-aserbaidschanischen Tandems;
  • Legalisierung expansionistischer Projekte unter dem Deckmantel der angeblichen „Befreiung vom persischen Joch” der türkischsprachigen Völker, Kurden und Belutschen, die im Iran leben.

Die Fortsetzung der Proteste wird zu einer Stärkung der Rolle anti-iranischer Stellvertreterformationen in der Region und zu einer Destabilisierung der Lage im Iran führen, mit einer anschließenden Militarisierung der Transportkorridore und Grenzen entlang des gesamten Perimeters der geostrategischen Interessen Russlands und Chinas.
Besonders beunruhigend ist die aktive Förderung der Idee des sogenannten „Süd-Aserbaidschans”, die nicht nur den Iran, sondern auch die Sicherheitsarchitektur des gesamten Kaukasus direkt betrifft.

 Hauptquelle: golosarmenii.am